Pressemitteilung 23.03.2017

Feuerwehr Hamburg für G20-Treffen schlecht gerüstet?

Am 7. und 8. Juli 2017 findet das G20-Treffen in Hamburg statt. Es wird nun nach außen offensichtlich, was vielen Kolleginnen und Kollegen schon lange klar war: Die Feuerwehr wird nicht als wichtiger Teil der Sicherheitsarchitektur gesehen!

So musste und muss die Feuerwehr lange Verzögerungen bei Ausrüstungsgegenständen wie Kohlenmonoxidwarner oder bei der Neubeschaffung des Löschboots in Kauf nehmen. Ebenso wurde zwar bei der Polizei, nicht aber bei der Feuerwehr die Bezah-lung für Nacht- und Wochenenddienste angehoben, obwohl auch die Feuerwehrleute in den Wochen bis zum G20-Treffen verdichtete Dienst-pläne haben. Nun erfahren die Kolleginnen und Kollegen eine neue Dimension des Umgangs mit der Feuerwehr, die eine direkte Auswirkung auf ihre Gesundheit, wenn nicht gar auf ihr Leben haben könnte. Der Berufsverband Feuerwehr kritisiert seit längerem die nicht vorhandene Ausrüstung und die fehlende einsatztaktische Ausrich-tung der Hamburger Feuerwehr für Sonderlagen (Amok/Terror/Anschlag) aufs schärfste.

 

 

Im Rahmen der Vorbereitungen für das Gipfeltreffen wird die Polizei mit der nötigen Ausrüstung ausgestattet und es werden geeignete Einsatzplanungen vorgenommen. Davon ist bei der Feuerwehr weit und breit nichts zu erkennen. Es wird lediglich das Personal durch Änderungen des Dienstplans verstärkt und zusätzliche Fahrzeuge in Dienst genommen. Dies reicht bei weitem nicht aus! Die Feuerwehrleitung und die Politik meinen, dass es sich in einem Ausschreitungs- bzw. Anschlagsfall um eine Polizeilage handet. Diese Sichtweise ist unrealistisch und weltfremd. Die Feuerwehrleute könnten zeitgleich vor Ort sein, wenn nicht gar zuerst, so wie bei vielen Fällen im täglichem Einsatzgeschehen. Sie müssten dann ungeschützt Hilfe leisten und sich einer Gefahr für Leib und Leben aussetzen. Ebenfalls sind die aus dem Ausland kommenden Autonomen ins Kalkül zu nehmen, da in manchen Ländern die Feuerwehr nicht als außenstehende und hilfeleistende Behörde betrachtet und behandelt, sondern als ein Teil der Staatsmacht feindlich angegangen wird.

Bis jetzt gibt es auch keine gemeinsamen und flächendeckenden Einsatzübungen der Polizei und Feuerwehr. Dabei wäre dies dringend angezeigt, um die verschiedenen Führungsstrukturen, Kommunikationswege und das einsatztaktische Vorgehen abzustimmen und kennen zu lernen. So werden sich bei Einsatzlagen Feuerwehrkräfte sicherlich in teilgesicherten Bereichen bewegen müssen, ohne jeglichen Schutz. Ebenso gibt es kein Einsatzkonzept für das taktische Retten aus Sonderlagen, wie zum Beispiel nach einem Anschlag. Es kann nicht angenommen werden, dass Polizeikräfte ausgebildet sind zu erkennen, welche Verletzungsmuster lebensbedrohlich und einer Priorisierung bedürfen und welche nicht. Darüber hinaus hätten sie in einem solchen Fall andere Aufgaben, wie das Vorgehen gegen die Täter oder die Sicherung des Umfelds.

Aus diesen Gründen fordert der Berufsverband Feuerwehr:

• Schutzwesten für die Rettungskräfte 
• Gerätewagen Sanität – als logistische Komponente für die Abarbeitung bei einen Massen-Anfall von Verletzten
• Ausarbeitung von einsatztaktischen Plänen und deren Abstimmung mit der 
Polizei 
• Ausarbeitung von Einsatzstandards für das taktische Retten aus Sonderlagen (Terror, Amok, Anschlag) 
• Einsatzübungen für die Kolleginnen und Kollegen an der Basis, die das operative Geschäft übernehmen 
• Verbindungsbeamte der Polizei bei der Feuerwehr (schnelle Abstimmung bei kritischen Einsatzlagen. Umgekehrt gibt es das schon)

Sollten diese Voraussetzungen nicht geschaffen werden, muss die Feuerwehr über einen Rückzug aus der Beteiligung am G20-Treffen nachdenken. Die Feuerwehreinsatzkräfte sind kein Kanonenfutter, das man ungeschützt, ungeübt und ohne jegliche Erfahrung in solch potentiell gefährliche Einsatzlagen schickt!!!

Der Vorstand

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